Warum Tagesgeldkonditionen in der Finanzkrise fallen

FAQNoch zum Ende des letzten Jahres hin haben sich die verschiedenen Banken im Bereich des Tagesgeldes in Form von Sonderkonditionen für Neukunden förmlich gegenseitig überboten. Mitunter konnte man unter bestimmten Bedingungen, wie zum Beispiel dem gleichzeitigen übertrag eines Wertpapierdepots bei der Eröffnung eines Tagesgeldkontos, noch einen Zinssatz von bis zu sechs Prozent erhalten. Heute (August 2009) liegt der durchschnittliche Zinssatz beim Tagesgeld nur noch bei rund 1,60 Prozent und der höchste Zinssatz, den man derzeit bekommen kann, liegt bei rund 3,00 Prozent pro Jahr. Die Frage stellt sich also, warum die Tagesgeldzinsen während der Finanzkrise so stark gesunken sind? Man kann hier in erster Linie zwei verschiedene Gründe anführen, die zum Teil miteinander verbunden sind. Der Hauptgrund, warum die Tagesgeldzinsen in den letzten Monaten so stark gefallen sind, liegt im nicht minder geringen „Sturz“ der EZB-Leitzinsen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen seit Ende 2008, wo diese auf einem Niveau von rund vier Prozent lagen, in vielen Schritten bis auf aktuell nur noch einen Stand von einem Prozent reduziert. Da Zinssenkungen im Bereich der Leitzinsen im Bereich der Geldanlage normalerweise sehr schnell von den Banken an die Kunden weiter gegeben werden, erklärt sich daraus auch die radikale Senkung der Tagesgeldzinsen.

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Was nun die Senkung der Tagesgeldzinsen letztendlich mit der Finanzkrise zu tun hat, erklärt sich eben durch die Senkung der Leitzinsen. Diese EZB-Leitzinsen dienen der EZB nämlich als Regulierungsinstrument. So kann die Europäische Zentralbank durch eine änderung der Leitzinsen Einfluss drauf nehmen, wie viel Geld am Markt im Umlauf ist und wie viele Kredite die Banken vergeben, so zumindest die Theorie. In der Praxis funktioniert das derzeit leider nur sehr begrenzt, denn trotzdem die Banken sich von der EZB Geld so billig wie nie zuvor leihen können, nämlich zu einem Prozent, vergeben sie nicht mehr Kredite, man spricht hier auch von der so genannten Kreditklemme. Der Schritt der EZB, die Leitzinsen aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise stark zu senken, war natürlich völlig richtig und auch im Zusammenhang der Gesamtwirtschaft vollkommen logisch. Da ein großes Problem in der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise eben die Tatsache ist, dass die Banken sich untereinander und auch den Kunden zum Teil nicht mehr vertrauen und weniger Geld leihen, ist die Geldmenge Anfang des Jahres sehr gering gewesen. Damit wieder mehr Kredite vergeben werden können, was dann im zweiten Schritt natürlich die Wirtschaft ankurbeln soll, hat die EZB eben die Leitzinsen gesenkt. In der Theorie können sich nun die Banken günstiger von der EZB Geld leihen und diese günstigeren Konditionen an den Kunden als Kreditnehmer weitergeben. Die Folge sollte dann sein, dass Privatkunden mehr Kredite für Konsum aufnehmen und Unternehmen, um neue Investitionen vorzunehmen. Beides würde sich positiv auf die Wirtschaft auswirken und sollte die Rezession stoppen.

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In der Praxis hat sich die Zinssenkung der EZB, die natürlich innerhalb eines halben Jahres von über vier auf nun ein Prozent extrem deutlich ausgefallen ist, allerdings bisher nur auf eine Seite ausgewirkt, nämlich dass der Anleger deutlich weniger Guthabenzinsen für Kapitalanlagen erhält. Dieses zeigt sich eben unter anderem vor allen Dingen bei den Tagesgeld-Zinsen, weil die Zinsen hier variabel sind und daher ständig angepasst werden können. Die erwünschte Senkung der Zinsen im Kreditbereich ist bisher leider ausgeblieben, denn ein Dispokredit kostet nach wie vor rund 12 Prozent an Zinsen und auch der Ratenkredit ist mit derzeit rund acht Prozent kaum billiger geworden. Zudem werden auch nicht, wie erwünscht, mehr Kredite an Unternehmen vergeben, sodass derzeit im Gespräch ist, dass die EZB die Gelder nicht mehr an die Geschäftsbanken zu diesem „Spottpreis“ (ein Prozent Zinsen) weiter gibt, sondern die Gelder auf direktem Wege an die Unternehmen als Kreditnehmer verteilt. Zusammenfassend kann man also festhalten, dass die Tagesgeldzinsen in der Finanzkrise fallen, weil die Leitzinsen deutlich gesunken sind, was zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise notwendig gewesen ist.

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